Stipendien zur Vorbereitung auf Promotionsprojekte
Stipendien zur Vorbereitung auf Promotionsprojekte

MPG-Doktoranden lernen seltene Sprachen

Rendile, Boran-Oromo, Swahili, Fulfulde, Kriol, Uighur – diese Sprachen werden nur noch selten und nur in kleinen Gemeinschaften gesprochen. Um sie zu erforschen, müssen Doktoranden des Max-Planck-Instituts für ethnologische Forschung in Halle die Sprache soweit wie möglich im ersten Jahr lernen und beim Feldforschungsaufenthalt vor Ort vertiefen. Dies erfordert eine Vorbereitungsphase, die die Max-Planck-Gesellschaft aus zuwendungsrechtlichen Gründen nicht aus öffentlichen Mitteln finanzieren kann. Max-Planck-Förderstiftung und MPG suchten – und fanden – Förderer, die für drei bis sechs Monate für ein Stipendium in Höhe von € 1000,- / Monat aufkommen wollten. Jeder Euro, der gespendet wurde, wurde durch die MPF verdoppelt

MPI für ethnologische Forschung

Forschungsprojekte (ausgewählte Beispiele)

Lucie Buffavand (französische Doktorandin)

Die Förderung durch das Sprachstipendium erlaubt mir, die Sprache der Bodi zu lernen, einer Gruppe von circa 8.000 Menschen, die in der südlichen Omo-Region in Äthiopien leben. Die Bodi betreiben Viehzucht und Feldwirtschaft. Mit ihren Nachbarn, anderen ethnischen Gruppen, unterhalten sie gegenwärtig angespannte bis feindliche Beziehungen. Während meiner Feldforschung gehe ich der Entwicklung dieser Konflikte nach. Einen Ausgangspunkt bildet die Untersuchung der Konkurrenz um natürliche Ressourcen zwischen den Bodi und der äthiopischen Regierung. Das zunehmende staatliche Interesse, Land für Umsiedlungen und industrielle Landwirtschaft zu nutzen, belastet sowohl die Beziehungen der immer dichter gedrängt lebenden benachbarten Gruppen als auch das Verhältnis der Bodi zur Regierung. Die Verschlechterung der Beziehungen schlagen sich auch im rituellen Bereich nieder, beispielsweise bei Begräbniszeremonien.

Immo Eulenberger (deutscher Doktorand)

Im Grenzgebiet der Länder Sudan, Äthiopien, Kenia und Uganda leben Völker, die weitgehend die gleiche ost-nilotische Sprache sprechen und in ihrer hirtennomadisch geprägten Kultur fern der nationalen Großkonflikte leben. Doch nicht medienwirksame Bürgerkriege, sondern permanenter Kleinkrieg und Viehraub zwischen lokalen Gruppen benachbarter Ethnien produzieren hier Tod und Zerstörung. Beobachter diskutieren den Einfluss ökologischer Bedingungen und illegaler Waffen, aber es fehlt an Erkenntnissen zum Verhältnis der Denkweise und der Motive der traditionellen Mehrheit zu denen der Modernisierer – mit fatalen Folgen. Die soziale Organisation, die Ziele und Strategien der unterschiedlichen Akteure erschließen sich über die Diskurse, die ihre Interaktion und damit ihre Realität bestimmen. Eine Analyse setzt ein Verständnis der zugrunde liegenden Konzepte voraus. Daher ist das Erlernen der Sprache dieser Ethnien eine Voraussetzung, um ihre Konflikte zu verstehen und Entwicklungspolitik mit Realismus zu betrachten.

Malgorzata Biczyk (polnische Doktorandin)

Mich interessieren die Veränderungen von Identitäten und Werten in ismailitischen Gemeinschaften in der Pamirregion von Tadschikistan. Sowohl die Lage im Hochgebirge als auch siebzig Jahre Sozialismus haben in der Vergangenheit zu einer kulturellen und wirtschaftlichen Isolation der Region beigetragen. Die Lebensentwürfe und Wertesysteme der dort lebenden Menschen bleiben jedoch vom gegenwärtigen sozialen und wirtschaftlichen Wandel nicht unberührt. Während meiner Feldforschung widme ich mich vor allem den Veränderungen, die sich etwa unter dem Einfluss des Aga Khan Development Networks, einer islamischen Entwicklungshilfeorganisation, vollziehen, wie auch den Wechselbeziehungen zwischen globalen Modernisierungsmodellen und lokalen Lebensweisen. Die Sprachen der Region gehören zu den ost-iranischen Sprachen. Der Sprachaufenthalt ermöglicht mir das Erlernen der lokalen Lingua Franca als Voraussetzung für ein angemessenes Verständnis der dort lebenden Menschen und ihrer Vorstellungen.